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Mittwoch, 12. August 2020

Aktuelles aus der Raphael-Schule

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Aktuelles aus der Raphael-Schule

Tagesimpulse für die Karwoche

Daniel Hollenhorst
/ Kategorien: Schulalltag

Tagesimpulse für die Karwoche

Es ist eine schwierige Zeit gerade, für alle! Jeder geht damit anders um, aber belastend ist es für jeden Einzelnen auf die eine oder andere Weise! 

Dennoch wird es Ostern, das Fest, an dem wir die Auferstehung Jesu Christi feiern. Um uns etwas darauf einstimmen zu können, gibt es hier das Angebot, sich in der Karwoche, die Woche vor Ostern, mit verschiedenen kurzen Texten auseinanderzusetzen. Vielleicht bringen sie etwas Hoffnung in dieser Zeit!

Eine besinnliche Karwoche und ein gesegnetes Osterfest!


1.Impuls: Eine kleine Einführung

 

Vorstellungen, Erwartungen, aber auch der Alltagstrott und bereits Erlebtes machen es so schwer, uns vorbehaltslos neuen Situationen zu stellen. Wir befinden uns gerade in einem „Ausnahmezustand“, denn unser Alltag ist vielfach durchbrochen, unsere Vorstellungen und Erwartungen (Urlaub, Kirmes, Osternacht) sind abgesagt. Wir müssen loslassen, um neues, anderes aufnehmen zu können! In diesem Text erzählt die Mutter eines behinderten Kindes, wie bereichernd und wertvoll es sein kann, wenn ich mich für das Neue, Unerwartete öffnen kann, obwohl meine Erwartungen und Vorstellungen ganz andere waren. Lassen wir uns inspirieren!

 

 

Willkommen in Holland

 

Ich werde oft gefragt, wie es ist, ein behindertes Kind großzuziehen. Es ist wie folgt: Wenn man ein Baby erwartet, ist das, als wenn man eine wundervolle Reise nach Italien plant. Man deckt sich mit Reiseprospekten und Büchern über Italien ein und plant eine wunderbare Reise. Man freut sich auf das Kolosseum, Michelangelos David, eine Gondelfahrt in Venedig, und man lernt vielleicht noch ein paar nützliche Brocken Italienisch. Es ist alles so aufregend. 

Nach Monaten ungeduldiger Erwartung kommt endlich der lang ersehnte Tag. Man packt die Koffer, und los geht‘s. Einige Stunden später landet das Flugzeug. Der Steward kommt und sagt: „Willkommen in Holland.“

 

 „Holland?!? Was meinen Sie mit Holland? Ich habe eine Reise nach Italien gebucht! Mein ganzes Leben lang habe ich davon geträumt, nach Italien zu fahren!“ 

Aber der Flugplan wurde geändert. Du bist in Holland gelandet, und da musst du jetzt bleiben. Wichtig ist, die haben uns nicht in ein schreckliches, dreckiges, von Hunger, Seuchen und Krankheiten geplagtes Land gebracht. Es ist nur anders als Italien. 

So, was du jetzt brauchst, sind neue Bücher und Reiseprospekte, und du musst eine neue Sprache lernen, und du triffst andere Menschen, welche du in Italien nie getroffen hättest. Es ist aber nur ein anderer Ort, langsamer als Italien, nicht so auffallend wie Italien. Aber nach einer gewissen Zeit an diesem Ort und wenn du dich vom Schrecken erholt hast, schaust du dich um und siehst, dass Holland Windmühlen hat... Holland hat auch Tulpen... Holland hat sogar Rembrandts. 

Aber alle, die du kennst, sind sehr damit beschäftigt, von Italien zu kommen oder nach Italien zu gehen. Und für den Rest des Lebens sagst du dir: „Ja, Italien, dorthin hätte ich auch reisen sollen, dorthin hatte ich meine Reise geplant.“ Und der Schmerz darüber wird nie und nimmer vergehen, denn der Verlust dieses Traumes ist schwerwiegend. Aber... wenn du dein Leben damit verbringst, dem verlorenen Traum der Reise nach Italien nachzutrauern, wirst du nie frei sein, die speziellen und wundervollen Dinge Hollands genießen zu können.                                                   


2. Impuls: Himmel und Hölle

 

Eine fromme Frau bittet Gott, den Himmel und die Hölle sehen zu dürfen. Gott erlaubt es ihr und führt sie in einen großen Raum. In seiner Mitte steht auf dem Feuer ein Topf mit einem köstlichen Gericht. Rundherum sitzen Leute mit langen Löffeln, alle stochern in dem Topf, aber sie sehen blass aus, mager und elend. So sehr sie sich auch bemühen, die Stiele der Löffel sind zu lang. Sie können das herrliche Essen nicht in den Mund bringen. „Was für ein seltsamer Ort“, sagt die Frau. „Das“, antwortet Gott, „ist die Hölle.“ Sie gehen in einen zweiten Raum, der genauso aussieht wie der erste. Auch hier brennt ein Feuer, und darüber kocht ein köstliches Essen. Leute sitzen rundherum, auch sie haben Löffel mit langen Stielen, aber sie sind alle gut genährt, lachen und scherzen. Einer gibt dem anderen mit seinem langen Löffel zu essen. „Und dies“, sagt Gott, „ist der Himmel.“

 

Ein so kleiner Unterschied, mit so großer Wirkung! Ich oderwir, das ist hier die alles entscheidende Frage! Wir dürfen an dem Festmahl teilnehmen, nur haben wir es in der Hand, ob wir davon satt werden. Und das nicht nur erst nach dem irdischen Leben. Jeden Tag dürfen wir am Festmahl auf Erden teilnehmen, in jeder noch so kleinen, teilenden Geste!



3. Impuls: Glück oder Unglück?

Eines Tages lief einem Bauern das einzige Pferd fort und kam nicht mehr zurück. Da hatten die Nachbarn Mitleid mit dem Bauern und sagten: „Du Ärmster! Dein Pferd ist weggelaufen - welch ein Unglück!“

Der Landmann antwortete: „Wer sagt denn, dass dies ein Unglück ist?“ -

Und tatsächlich kehrte nach einigen Tagen das Pferd zurück und brachte ein Wildpferd mit.

Jetzt sagten die Nachbarn: „Erst läuft dir das Pferd weg - dann bringt es noch ein zweites mit! Was hast du bloß für ein Glück!“

Der Bauer schüttelte den Kopf: „Wer weiß, ob das Glück bedeutet?“ Das Wildpferd wurde vom ältesten Sohn des Bauern eingeritten; dabei stürzte er und brach sich ein Bein. Die Nachbarn eilten herbei und sagten: „Welch ein Unglück!“Aber der Landmann gab zur Antwort: „Wer will wissen, ob das ein Unglück ist?“

Kurz darauf kamen die Soldaten des Königs und zogen alle jungen Männer des Dorfes für den Kriegsdienst ein. Den ältesten Sohn des Bauern ließen sie zurück - mit seinem gebrochenen Bein.Da riefen die Nachbarn: „Was für ein Glück! Dein Sohn wurde nicht eingezogen!“

„Glück und Unglück. Wer weiß das schon!“

 

Wie wahr! Und doch so schwer zu sehen in diesen Augenblicken. Man beneidet den Bauern um diese Gelassenheit, um diesen neutralen, unvoreingenommenen Blick. Wie gerne möchten wir dies auch können, vertrauensvoll annehmen, was kommt! 



4. Impuls: Typisch

„Eine ältere Frau kauft sich im Schnellrestaurant eine Suppe. Sie trägt den dampfenden Teller an einen der Stehtische und hängt ihre Handtasche darunter. Dann geht sie noch einmal zur Theke, um einen Löffel zu holen. Als sie zurückkehrt, sieht sie am Tisch einen dunkelhaarigen Mann, der ihre Suppe löffelt.
Typisch Ausländer, was fällt dem ein!?, denkt die Frau empört. Sie drängt sich neben ihn, sieht ihn wütend an und taucht ihren Löffel ebenfalls in die Suppe. Sie sprechen kein Wort, aber nach dem Essen holt der Mann für sie beide Kaffee und verabschiedet sich dann höflich. Erstaunt bedankt sich die Frau mit einem Lächeln. Als sie ebenfalls gehen will, findet sie ihre Handtasche nicht. Also doch ein hinterhältiger Betrüger. Das hätte man sich gleich denken können! Mit rotem Gesicht schaut sie sich um. Er ist verschwunden. Aber am Nachbartisch sieht sie ihre Handtasche hängen. Und einen Teller Suppe, inzwischen kalt geworden. “

 

Wie dieser Mann sich verhält. Ein Akt der Nächstenliebe! 

Jesus wäscht seinen Jüngern an Gründonnerstag die Füße. Ein Akt der Nächstenliebe! 

Wie oft haben wir den Satz „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst“ wohl schon gehört. Doch er wird mit jedem Mal hören nicht leichter. Bei Familie und guten Freunden ist das ja kein Problem, aber dann hört es oftmals auch schon auf….

Den anderen Lieben, mit seinen „Macken“, seiner Begrenztheit, seinem Unvermögen, seiner Tradition, seiner Herkunft, seiner Religion?! Oh man, was für eine Herausforderung! Stellen wir sie uns, tagtäglich aufs Neue!




5. Impuls: Unterwegs

 

Ein Tourist macht Station in einem Kloster. Er wird freundlich aufgenommen, und man bietet ihm eine Mönchszelle als Schlafquartier an. Darin stehen nur ein Bett und ein Stuhl. 

In der Tür fragt der Tourist erstaunt: „Und wo sind ihre Möbel?“ 

„Wo sind denn ihre?“, erwidert der Mönch. 

Verwirrt antwortet der Tourist: „Ich bin ja nur auf der Durchreise.“ 

Der Bruder lächelt: „Wir auch.“

 

Zu diesem kleinen Text passt gut das Zitat von Oscar Wilde:

Am Ende wird alles gut. Wenn es nicht gut ist, ist es nicht das Ende!

 

So tröstlich diese Worte auch sind, verlangen sie eine ganze Menge von uns. Bedingungsloses Vertrauen! So ging es auch Jesus am Kreuz. Auch er musste die irdischen Ängste loslassen und Vertrauen. Wie schön wäre es, wenn wir das könnten. Wir sind nur auf der Durchreise! Am Ende des irdischen Lebens sind wir am „Ziel“, ist das Zuhause bei Gott! Mit dieser Zusage würde man eigentlich gut leben können, wäre da nicht die Sache mit dem bedingungslosen Vertrauen….



6. Impuls: Gesunder Menschenverstand

 

Einmal hält Albert Einstein einen anspruchsvollen Vortrag über das Verhältnis von Raum und Zeit. Als er fertig ist, steht ein Zuhörer auf und widerspricht: „Was Sie gerade ausgeführt haben, das ist mir viel zu spekulativ. Wir sind doch nicht in der Kirche. Nach meinem gesunden Menschenverstand kann es nur das geben, was man sehen und überprüfen kann.“
Einstein lächelt und antwortet: „Dann kommen Sie doch ’mal nach vorn und legen Sie Ihren gesunden Menschenverstand hier auf den Tisch.“

 

Mit dem gesunden Menschenverstand können wir die Ereignisse, die vor 2000 Jahren in der „Osternacht“ geschehen sind nicht erklären. Wir können glauben, hoffen und vertrauen! Das ist doch einiges mehr als nur der gesunde Menschenverstand! Und so viel tröstlicher!

In diesem Sinne - von ganzem Herzen in dieser besonderen Zeit ein gesegnetes Osterfest!


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